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Stolz auf den Meßermord
Zeitung "Arbeiderbladet" (26.04.1994)
Tore Letvik

"Aarseth griff mich an, schaffte es aber nicht, nach einem Meßer zu greifen. Dann erstach ich ihn. In der Zeit danach habe ich natürlich Stolz über den Mord empfunden, keine Reue. Ich war der Stärkere".

Mit diesen Worten räumte Varg "Der Graf" Vikernes gestern vor dem Obergericht Eidsivating ein, daß er Øystein Aarseth in der Nacht zum 10. August vergangenen Jahres mit 23 Meßerstichen getötet hat. Der Mord ereignete sich in Aarseths Wohnung in der Tøyengata 40b in Oslo.


Erste Außage

Dem 21-Jährigen aus Bergen wird vorsätzlicher Mord unter besonders erschwerenden Umständen zur Last gelegt. Aarseth war unbewaffnet, als er durch 16 Stiche in den Rücken, zwei in den Kopf und fünf in den Hals getötet wurde. Auf die Tat steht eine Höchststrafe von 21 Jahren Haft. "Der Graf" bestritt jedoch, daß der Mord geplant gewesen sei. Zum ersten Mal seit seiner Festnahme am 20. August vergangenen Jahres schilderte der 21-Jährige gestern seine Version der Ereigniße. Er erklärte, der 22-Jährige aus Trøndelag [Snorre Ruch], der wegen des Mordes mitangeklagt ist, habe nichts damit zu tun gehabt. Auch der 22-Jährige bekannte sich gestern vor Gericht nicht schuldig.


Vertragßtreit

Der Außage zufolge reisten Varg "Der Graf" Vikernes und der 22-jährige Mitangeklagte in der Nacht zum 10. August von Bergen nach Oslo, weil Vikernes einen Plattenvertrag mit Øystein Aarseth auflösen wollte. Vikernes spielt sogenannte Black-Metal-Musik; der Vertrag sollte Aarseth das Recht einräumen, die Musik zu vervielfältigen und als Tonträger zu veröffentlichen.

"Es war Nacht, als ich bei Aarseth klingelte. Er öffnete die Tür nur in Unterwäsche. In Aarseths Wohnzimmer begannen wir, über den Vertrag zu streiten. Wir waren schon seit Monaten Feinde, und ich sagte Aarseth meine Meinung über ihn. Als er mir mit den Worten‚ Schwache Männer reden. Echte Männer handeln' drohte, provozierte ihn das zum Handeln", sagte Vikernes gestern vor Gericht.


In Wut geraten

"Plötzlich trat mir Aarseth gegen die Brust. Ich reagierte, indem ich zum Angriff überging und ihn zu Boden stieß. Er stand auf und rannte auf die Küchentür zu. Mir wurde klar, daß er sich ein Meßer holen wollte, um mich anzugreifen. Ich versperrte ihm den Weg und zog mein eigenes Meßer; Aarseth begann, um Hilfe zu schreien. Ich geriet in unglaubliche Wut darüber, daß er schrie, anstatt zu kämpfen", erklärte Vikernes. Er schilderte weiter, daß Aarseth hinaus auf den Flur vor der Wohnung im vierten Stock gerannt sei und er ihm gefolgt sei.


Ich hörte ihn stürzen

"Im Flur griff er mich mit geballten Fäusten an. Ich parierte und stach mit dem Meßer zu. Der Kampf verlagerte sich auf die Treppe. Die ganze Zeit über schrie er um Hilfe. Ich geriet in Panik und setzte die Angriffe fort, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er stürzte auf der Treppe, stand aber wieder auf und griff erneut an. Ich parierte noch einmal und lief ihm hinterher. Hinter mir hörte ich, wie Aarseth krachend die Treppe hinunterstürzte".


Blutlache

Einige Zeit später wurde Øystein Aarseth in einer Blutlache im Treppenhaus gefunden, auf halbem Weg zwischen dem ersten und zweiten Stock des Wohnhauses. Die Polizei entdeckte Blutspuren, die sich vom Wohnzimmer Aarseths bis zu der Stelle zogen, an der die Leiche lag. Vieles deutete darauf hin, daß er bis zuletzt um sein Leben gekämpft hatte.

Die grausame Schilderung des Mordes schien vor Gericht gestern nicht den geringsten Eindruck auf Varg "The Count" Vikernes zu machen. Auf die Frage des Anklägers, Staatsanwalt Bjørn K. Soknes, welche Gefühle "The Count" nach der Tötung Aarseths mit einem Meßer gehabt habe, antwortete der Angeklagte: "Ich finde nicht, daß man sich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten sollte".

Ankläger: "Ist Mord eine Kleinigkeit?"

"The Count": "Nein, aber es ist einfach Unsinn, sich am Tod von jemandem aufzuhängen."

Ankläger: "Haben Sie nach dem Mord Reue oder Trauer empfunden?"

"The Count": "Nein. Aber ich hätte angegriffen, wenn mich jemand angegriffen hätte und ich mich nicht gewehrt hätte."

Ankläger: "Haben Sie Stolz über den Mord empfunden?"

"The Count": "Ja, natürlich. Ich war der Stärkere. Ich lebe. Er ist tot."


Feinde aufgrund unterschiedlicher Ideologien

"Ich habe 1992 drei Monate lang mit Øystein Aarseth zusammengelebt. Danach wurden wir aufgrund unterschiedlicher Ideologien zu Feinden", sagte Varg "The Count" Vikernes gestern vor Gericht.

"The Count" plädierte auf nicht schuldig im Sinne des vorsätzlichen Mordes, nannte jedoch verschiedene mögliche Motive, warum er die Tötung von Øystein Aarseth geplant haben könnte - Motive, die Staatsanwalt Bjørn K. Soknes möglicherweise gegen ihn verwenden wird. Staatsanwalt Bjørn K. Soknes in seinem späteren Plädoyer gegen ihn verwenden könnte.


Kommunist

Varg "The Count" Vikernes, der sich von den schweren Anschuldigungen gegen ihn scheinbar unbeeindruckt zeigte, lächelte und grinste während der gestrigen Gerichtsverhandlung. Dies löste Applaus bei einer kleinen Gruppe seiner jugendlichen Anhänger aus. Ernst wurde "The Count" jedoch, als er über Ideologie sprach.

"Øystein Aarseth war Kommunist. Ich bin Heimdalls Sohn, germanisch, arisch und ein echter Norweger. Ich will ein norwegisches, schönes und mächtiges Reich bewahren. Aarseth wollte ein häßliches Königreich mit gemischten Raßen", sagte "The Count". Er gab an, stets Ă„xte und Meßer griffbereit gehabt zu haben.


Wollte angegriffen werden

"Das geschieht in der Hoffnung, angegriffen zu werden. Ich will im Krieg sterben. Nicht wie ihr anderen, die ihr in Frieden lebt", sagte der 21-Jährige. Er bezeichnete Oslo als eine "Stadt der Mohren". "Mohr bedeutet mit anderen Worten Neger", erklärte "The Count" und deutete an, daß diejenigen, die keine Germanen seien, in diesem Land nichts zu suchen hätten. Sein Verhalten und seine Ausführungen vor Gericht schockierten viele der Anwesenden, und der Verteidiger des "Grafen", der beim Obersten Gerichtshof zugelaßene Rechtsanwalt Tor Erling Staff, versuchte vergeblich, ihn etwas bescheidener erscheinen zu laßen.

"Ich sage, was ich meine, und wenn Sie das provoziert, dann haben Sie ein Problem", erklärte der "Graf" den Geschworenen, die darüber entscheiden müßen, ob er im Rahmen einer Anklage, die ein Strafmaß von bis zu 21 Jahren vorsieht, schuldig gesprochen wird. Für den Prozeß sind drei Wochen angesetzt. Neben dem Mord wird dem "Grafen" Brandstiftung an vier Kirchen, Einbruch, Diebstahl und Grabschändung zur Last gelegt. Auch hinsichtlich dieser Anklagepunkte plädierte der Angeklagte gestern auf nicht schuldig.

Autor: Tore Letvik (© 1994 "Arbeiderbladet" Zeitung, Norwegen)
Übersetzt von Andreas Stedinger



Arbeiderbladet Zeitung (1994)

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